Die Orgel der Gemeinde St. Mariä Empfängnis

 

 

                                                                                     

                                                                                     Conacher-Orgel 19 / II + P

                                                                                     aus dem Jahr 1890

                                                                                     restauriert und neu aufgebaut

                                                                                     in Solingen 2008

 

Grußwort von Pater Mathieu Pouls:

Einen herzlichen Glückwunsch möchte man ausrufen, wenn man die ersten Klänge dieser neu aufgebauten Orgel in

unserer Kirche hört. Doch wem soll unser Glückwunsch gelten?

Dem Orgelbauer und allen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, dem Organisten, der hocherfreut ist über

unsere neue Orgel und allen, die mit der Orgel musizieren? Uns allen, der Pfarrgemeinde St. Mariä Empfängnis in Merscheid,

die sich über ihren melodiösen Klang und über eine festliche musikalische Begleitung unserer Lieder freut?

Allen, die mit ihrer Spende uns die Anschaffung einer neuen Orgel ermöglicht haben?

In jedem Falle wird nun unsere Kirche vom Klang dieses Instrumentes erfüllt werden, das unserer Kirche zur Ehre gereicht.
Der heilige Benedikt sagt: „Operi Dei nihil praeponatur – Dem Lob Gottes soll nichts vorgezogen werden".

Nichts soll dessen Lob vorgezogen werden – in guten und in bösen Tagen. Unsere neue Orgel wird zum Lob Gottes ertönen,

sowohl bei der Feier der H. Messe, als auch bei festlichen Angelegenheiten. Sie wird erklingen, wenn wir in unserem Singen und Musizieren

Gott unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen. Sie wird auch ertönen und uns begleiten,

wenn wir mit unserer Trauer und unseren Sorgen in die Kirche kommen und sie zum Herrgott bringen.

Und so ist es eine Stunde des Dankes und der Freude über unsere neue Orgel, die in Zukunft zum Lob Gottes und zu

unserer Freude erklingen wird.

 

                                    

                                                                                           Siegfried Merten, Orgelbauer

 

Grußwort der Orgelbauer/-innne:

Eine neue / alte Orgel für St. Mariä Empfängnis

Zunächst galt es auszuloten, welche Möglichkeiten überhaupt bestehen,

da eine weitere Verwendung der alten Orgel nicht mehr in Betracht kam.

So hat der Orgelsachverständige des Erzbistums Köln, Herr Eckhard Isenberg, in seiner gutachterlichen Stellungnahme

wegweisend die Anschaffung einer guten gebrauchten Orgel als beste Lösung für die Kirchengemeinde favorisiert.
Nach einiger Zeit des zähen Ringens und ca. 1.200 Arbeitsstunden in unserer Werkstatt und

hier vor Ort steht nun die neue / alte Orgel in der kath. Kirche
St. Mariä Empfängnis in Solingen – Merscheid. 
Nach dem uns die Orgel in ihren vielen Einzelteilen von der Firma Ladach aus Wuppertal angeliefert wurde

lag es nun an uns, diese Teile zu sichten, zu reinigen, zum Teil aufzuarbeiten und zu ergänzen bzw. auch mal was zu erneuern.

Dann mussten wir anhand von Fotos diese unzähligen Einzelteile Stück für Stück zusammenfügen und in unserer Werkstatt vormontieren.

Einige fehlende Elemente des Gehäuses mussten von uns entsprechend ersetzt werden.   


Anfang November konnten wir dann die Orgel nach Merscheid transportieren und jetzt

nach rund 6 Wochen Montage und Intonationsarbeiten kann heute endlich diese Orgel feierlich eingeweiht werden.

Dank darf ich allen sagen, die mit dazu beigetragen haben, dieses Orgelprojekt hier in meiner alten Heimatgemeinde zu verwirklichen.

Meinen Mitarbeitern/-innen danke ich für ihr Engagement bei dieser nicht immer leichten Aufgabe.

Der Kirchengemeinde wünsche ich, dass die Orgel mit all ihren Klangmöglichkeiten dazu beiträgt,

dass die Gottesdienste wie auch die Konzerte würdig und zum Lobe Gottes und zur Freude aller beitragen möge.

 

Das Projekt "Neue Orgel"

von Markus Limbach, Orgelbauausschuss

Das Projekt begann so richtig am 12.02.08. In dieser KV-Sitzung haben wir die Weichen zu diesem Instrument gestellt.

Es gab noch eine modernere Alternative, diese hätte aber nicht so gut mit unserer Kirche harmoniert.

Von Anfang an war dieses Projekt nicht einfach. Keiner hatte die Orgel je gesehen – außer auf Fotos – und sie stand noch

in einer methodistischen Kirche in Liverpool, England.

Dort musste sie erst abgebaut und nach Remagen zur Orgelbaufirma Merten verbracht werden.

Diese Arbeiten hat noch der Orgelhändler durchführen lassen, von dem wir das Instrument gekauft haben.

Anfang August begannen dann die ersten Restaurierungsarbeiten. Am 27. September konnten wir die in der Werkstatt fast fertig aufgebaute Orgel

zum ersten mal besichtigen und uns überzeugen, dass das Projekt zu einem guten Abschluss kommen würde.

Anfang November begann dann der Aufbau in unserer Kirche. Jeder sah schon während des Aufbaus, dass dieses Instrument bereits 1890 in diese Kirche gehört hätte,

aber leider gab es unsere Kirche da noch nicht.

Und so dauerte es 118 Jahre, bis sie den Weg nach Merscheid gefunden hat

                            

 

Abschluss der Kirchensanierung:

von Ingo Beck     

 Hurra, sie ist da!

Nachdem wir mit viel Mühe und Liebe unsere Kirche renoviert haben, habe ich nicht mehr an eine neue Orgel geglaubt.

Viele Spenden waren notwendig, um die Renovierung zu gestalten. Und dennoch gab es, gibt es und wird es hoffentlich noch viele geben,

die bereit sind auch etwas für unsere neue Orgel zu spenden.

Denn jetzt als krönender Abschluss der Erneuerung und Verschönerung unserer Kirche, erstrahlt nicht nur alles in neuem Glanz,

sondern erklingen auch glänzende, neue Töne in unserem Gotteshaus: Zur Freude der Besucher und zum Lob Gottes!
Als unser Chorleiter vor ca. einem Jahr mit den Internetausdrucken der Orgel aus England kam, war die Ernüchterung erst einmal groß.

Die Renovierung war weit fortgeschritten, aber noch nicht beendet, die Finanzierung noch nicht zu 100% sicher und

jetzt auch noch eine neue – oder besser "alte neue" 100 Jahre alte – Orgel in England abbauen, transportieren, renovieren und

neu errichten mit vollkommen unklarer Finanzierung – das war fast zu viel.
Doch wir haben es gewagt, Kontakt mit Köln aufgenommen, mit Sachverständigen und Experten gesprochen, Finanzierungsmodelle entwickelt,

Alternativen abgewägt, die Orgel aus der Ferne begutachtet und entschieden:

                                                  Diese Orgel passt in unsere Kirche

.Der Rest war wieder spannende Kleinarbeit mit so manchen Überraschungen. So kamen die Seitenwände der Orgel nicht,

da sonst das Dach der englischen Kirche eingestürzt wäre. Doch am Ende wurde alles gut.

Ob dabei wohl noch andere Kräfte am Werk waren?

Doch das sind alles Probleme der Vergangenheit. Die neue Orgel ist da und ein richtiges Juwel in unserer bescheidenen kleinen Gemeinde.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen viel Freude an der neuen Orgel in unserer schönen Kirche.

 

Technisches:

Disposition

Great Organ (I) C – a '''
Swell Organ (II) C – a '''
Pedal C – f '
Open Diapason 8'
Lieblich Bourdon 16'
Open Diapason 16'
Stopped Diapason 8'
Open Diapason 8'
Bourdon 16'
Gamba 8'
Salicional 8'
Flute Bass 8'
Dulciana 8'
Voix Celestes 8'
 
Principal 4'
Rohrflute 8'
Koppeln (mechanisch)
Harmonic Flute 4'
Gemshorn 4'
Swell to Pedals
Trumpet 8'
Octave 2'
Great to Pedals
 
Oboe 8'
Swell to Great
 
Horn 8'
Swell Super Octave


Anzahl der Pfeifen:

58 Tasten x 16 Register + 30 Pedale x 2 Register + 12 Pfeifen = 1.000 Pfeifen


Die Traktur der Manuale ist mechanisch, die der Pedale pneumatisch.
Flöten

Labialregister mit weiter Mensur, offen oder gedeckt, z. B. Blockflöte, Rohrflöte, oder überblasend (dadurch höher klingend): z. B.Harmonic Flute
Manual

Klaviatur für die Hände (hier C – a ''' = 58 Tasten), von der aus ein Teilwerk der Orgel gespielt wird.
Fuß ( ' )

Historisches, im Orgelbau gebräuchliches Längenmaß für die Pfeifen. 1 Fuß = ca. 30 cm
Pedal

Klaviatur für die Füße (hier C – f ' = 30 Tasten), von der aus das Pedalwerk der Orgel gespielt wird.
Gedackt (gedeckt)

Labialpfeifen, die an ihrem oberen Ende durch einen Deckel (Hut, Stöpsel) verschlossen sind. Ihr Ton ist um 1. Oktave tiefer als bei einer offenen Pfeife derselben Länge. Register z. B. Bourdon
Principal

Hauptregister der Orgel, zylindrisch, offene Labialpfeife mittlerer Mensur mit kräftiger Intonation. Z. B. Diapason.
Hauptwerk

(frz. Grand orgue, engl. Great Organ). Das stärkste Teilwerk der Orgel mit kompletten Principalchor.
Prospekt

Vorderansicht der Orgel, oft reich verziert. Meist mit symmetrisch angeordneten Pfeifenfeldern, von denen manche nur Zierde sind.
Intonation

Abstimmung und Einregulierung von Klangcharakter, Klangfarbe und Lautstärke.
Register

Eine Reihe von (hier) 58 Pfeifen im Manual und 30 im Pedal gleicher Bauart und Klangfarbe. Die Fußzahl bezieht sich auf die Länge der größten Pfeife.
Koppeln

Mechanische oder elektr. Vorrichtung die es ermöglicht, einzelne Manuale unter-einander oder mit dem Pedal zu verbinden. Wird mittels Fußschalter aktiviert.
Schleiflade (Windlade)

Verteilsystem, das über zwei Regelkreise (Tonventile und Registerschleifen) den Wind an die gewünschte Pfeife führt.
Labialpfeifen (Lippenpfeifen)

Bei diesen wird der Ton wie bei einer Blockflöte erzeugt. Hier bestimmt die Pfeifenlänge die Tonhöhe.
Schwellwerk

Teilwerk der Orgel in einem Gehäuse, bei welchem durch vorne angebrachte Türen, mittels Fußhebel die Lautstärke verändert wird.
Lingualpfeifen (Zungenpfeifen)

Hier wird der Ton durch z. B. ein federndes Messingblatt ähnlich einer Klarinette erzeugt. Je Länger der schwingende Teil der Zunge, desto Tiefer der Ton. Z. B. Trumpet.
Traktur

Sammelbegriff für die verschiedenen Bauteile, welche die Verbindung zwischen Taste bzw. Registerzug und Pfeife herstellen.