Kirchenfenster St. Katharina

Der Künstler, Herr Berwanger aus Köln hat wunderschön und künstlerisch sehr eindrucksvoll die Schöpfung dargestellt in unserem Kirchenfenster, rechts vorne in der Kirche, beim Tabernakel. Wir sehen ganz oben eine Taube, Sinnbild für den Heiligen Geist: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ So beginnt das Buch Genesis, das erste, aber nicht älteste Buch des Alten Testamentes. Dann sehen wir eine strahlende Sonne, den Mond und viele Sterne: „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis, und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht“ (Gen. 1, 4+5). Und: „Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten, von Tagen und Jahren dienen; sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, die über die Erde hin leuchten. So geschah es. Gott machte die beiden großen Lichter, das größere, das über den Tag herrscht, das kleinere, das über die Nacht herrscht, auch die Sterne“ (Gen 1,14-16).

 

Die Schöpfungsgeschichte, die ja kein historischer oder naturwissenschaftlicher Bericht ist, sondern eine theologische Erzählung, geht dann weiter mit dem, was wir auf der unteren Hälfte des Fensters sehen, mit der Erschaffung der Pflanzen und Tiere: „Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin. So geschah es. ... Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen, und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt, und alle Arten von gefiederten Vögeln. ... Dann sprach Gott: Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So geschah es“ (Gen 1, 11 +20 +24).

 

So sehen wir im Fenster Pflanzen, Fische, Vögel und symbolisch für die Kriechtiere die Schlange, die zurückkehrt im Fenster der Eva, und wir sehen den König der Tiere, den Löwen.

 

Denken wir an Vers 15. aus dem 2. Kapitel des Buches Genesis: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und behüte.“ Das Bebauen ist uns schon ganz gut gelungen, aber mit Behüten hapert es an allen Ecken. Die Bewahrung der Schöpfung ist ein hohes Gut und ein wichtiger Auftrag, ja ein Generationenauftrag, damit auch noch die Generationen nach uns eine lebensfähige und schöne Umwelt vorfinden. Möge unser Kirchenfenster uns dankbar stimmen für die schöne Welt und uns stets an unseren Auftrag, sie zu behüten, erinnern.

Das Kirchenfenster oberhalb der Sakristeitür zeigt uns den Kampf zwischen Gut und Böse und, als Gegenpol zum gegenüberstehenden Fenster der Schöpfung, die Verheißung des ewigen Lebens. Das Böse wird hier dargestellt durch den Drachen, der Feuer speit, d.h. aus seinem Maul kommt Hass, Neid, Eifersucht, Zwietracht, usw. Das Ganze hat der Künstler sehr verschwommen gezeichnet und das könnte ein Hinweis sein auf den Namen und den Charakter des Teufels, auf griechisch: diabolos, der alles durcheinander wirft, der verwirrt, der das Chaos herbeiführt.

 

Das Gute, dargestellt durch den Engel, sieht sehr erhaben, sauber und klar aus. Aber doch auch entschlossen, das Böse besiegen zu wollen.

Darüber stehen die vier Symbole unserer Evangelien: ein Engel für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes (cf. Ezechiel 1, 10 und Offenbarung 4, 7). Die Evangelien verkünden uns Gottes gute Nachricht, die Botschaft unseres Heiles und Glückes.

 

In der Mitte sehen wir das Lamm, Christus, das uns in der Tat das Heil, das die Evangelien verkünden, bringt. Im Buch der Geheimen Offenbarung lesen wir: „Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet und hatte sieben Hörner und sieben Augen; die Augen sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde ausgesandt sind. ... Ich sah, und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend. Sie riefen mit lauter Stimme:
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob“ (0ff. 5, 6+11+12).

 

Und wenn wir im selben Buch weiterlesen, Kapitel 21, sehen wir was oberhalb des Lammes dargestellt wird: das himmlische Jerusalem: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen; der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. (0ff. 21, 1-5a).

 

Unser Kirchenfenster ist also sehr tröstend und vor allem verheißungsvoll. Das beinhaltet andererseits, dass wir uns dem Guten anschließen sollen und dem Bösen Widerstand entgegen zu bringen haben, damit wir als „neue Menschen“ leben können.

 

Unsere Kirchenfenster haben eine reiche Symbolik und veranschaulichen eine Menge Theologie. So auch das mittlere Fenster an der rechten Seite. Wir sehen die Schöpfung des Menschen, des Adam, wie beschrieben im Buch Genesis 2, 7: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem“. Gott, der Unsichtbare, ist dargestellt in drei gleichen Ringen (darüber gleich mehr) und er wohnt „im Himmel“, dargestellt durch die Sonnen und Sterne. Der Mensch stammt, und das ist evolutionstheoretisch richtig, vom Ackerboden. Er kommt aus dem Wasser, dem Morast und dem Ackerboden der Mutter Erde, aber geistig und geistlich reicht sein Wesen bis ins Göttliche. Er ist ein Geschöpf, ein Wesen zwischen Erde und Himmel; sein Ursprung ist sowohl irdischer als göttlicher Art; er hat Leib und Seele, er ist ein beseelter Leib.

 

Der dreifaltige und dreieinige Gott ist hier künstlerisch sehr schön dargestellt in drei gleichen Ringen der Ring des Vaters zeigt die Schöpferhand Gottes, die Himmel und Erde erschaffen hat; der Ring des Sohnes zeigt die Verknüpfung von Gottheit und Menschheit: der Finger Gottes und der Finger des Menschen berühren einander, d.h. Gott wurde Mensch in Jesus Christus und durch Jesus haben wir Menschen Zugang zu Gott; und schließlich sehen wir im Ring des hl. Geistes die Hand des Menschen und das bedeutet, dass der Mensch die Fähigkeit und den Auftrag bekommen hat, am Reich Gottes mitzubauen. Der Mensch steht zwar fest auf dem Boden der Erde ist manchmal im Schlamm der Erde versunken, aber er hat auch die Möglichkeit und die Fähigkeit, inspiriert durch den hl. Geist, gestärkt durch die Liebe Jesu und beauftragt durch den Vater, über sich hinauszuwachsen und sogar das Göttliche zu berühren. Gottes Gnade, Sein Wohlwollen und Seine Freude bestrahlen das Gesicht des Menschen.

Ich finde es ein herrliches Fenster, genauso wie das Fenster gegenüber, worin wir den Neuen Menschen, Jesus, sehen, den Auferstandenen, den in den Himmel Aufsteigenden, der uns Seinen Geist sendet. Es lohnt sich immer wieder diese Fenster in aller Ruhe zu betrachten.

 

Das mittlere Fenster, oberhalb der Beichtzimmer, ist mein Lieblingsfenster. Es zeigt die zentrale Figur unseres Glaubens: unseren auferstandenen, zum Himmel fahrenden und den geistsendenden Jesus Christus. Mit seinen Händen deutet er an, dass er Himmel und Erde verbindet, dass er wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

 

Mit seiner rechten Hand berührt Jesus die Sphäre Gottes, seine linke Hand zeigt zur Erde und öffnet sich für seine Gnadengaben. Die Kreise um ihn lassen in ihm erkennen, was die „Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt dieser Zeit“ über ihn schrieb: „Der Herr ist das Ziel der Menschengeschichte, das Zentrum der Menschheit, die Freude ihrer Herzen und die Erfüllung ihrer Sehnsüchte.

 

Theologisch richtig vereint dieses Bild die drei zeitlich auseinander gefeierten Hochfeste von Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist hier der aus dem Grab Auferstehende, der zum Himmel Fahrende und derjenige, der seinen Jüngern den versprochenen Hl. Geist sendet.

 

Lassen wir uns vom Papst einladen, den Glauben an Gott neu zu entdecken, der unserer Welt und jedem einzelnen von uns gute, geheilte Zeit schenkt. Er ist Mensch geworden in der Zeit als Bruder seiner Brüder und Schwestern, er bewegt uns und erfüllt uns mit seinem Hl. Geist, und wir dürfen ihn als unseren guten Vater ehren und anbeten.

 

Ein schöneres und sinnvolleres Fenster könnte ich Ihnen nicht präsentieren. Ich finde es wunderbar und lade Sie zu einer intensiven Betrachtung ein.

 

Im dritten Fenster von oben habe ich das mittlere Fenster rechts mit dem Bild der Erschaffung des Menschen (Adam) beschrieben. Jetzt ist das Bild mit der Eva an der Reihe.

 

Wir sehen eine wunderschöne Frau inmitten des Paradieses, des Gartens von Eden. Hier wäre also Gelegenheit Betrachtungen anzustellen über die Eigenart und Würde der Frau und über die Bewahrung der Schöpfung, aber das würde uns hier zu weit führen.

 

Im Buch Genesis lesen wir: ,,Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht... Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen, denn vom Mann ist sie genommen. Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch“ (Gen. 2, 18 + 23 + 24).

 

Aber das Bild hat durch die Schlange auch etwas Bedrohliches: „Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.“ (Gen. 3, 1-6).

 

Das also ist die Geschichte von der Verführung der Menschen durch die Schlange, die uns daran erinnert, dass unser Platz noch nicht im Paradies ist, aber das wir den Auftrag haben, die Erde so zu beherrschen, dass daraus ein Paradies wird.

 

Gegenüber dem Kirchenfenster mit der Eva steht das Fenster mit der „neuen Eva“: Maria. Sie war die von Gott aus allen Frauen Auserwählte, um die Mutter des Gottessohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zu werden. Deswegen werden ihr hohe Titel zugesprochen, wie z. B. Gottesgebärerin, Mutter Gottes, Himmelskönigin, Mittlerin der Gnaden, Urbild der Kirche usw. Wir brauchen da nur die Lauretanische Litanei (Gotteslob 769) aufzuschlagen.

 

Zu den Plänen Gottes hat Maria ihr „Fiat“, ihr Ja-Wort gegeben, und so kommt es, dass sie in der Menschheitsgeschichte eine einmalige Stelle einnimmt, aber immer im Schatten ihres Sohnes. Wie oft wurde sie gemalt, gezeichnet - auch in Glas - in Bildern von Holz, Stein oder gar Marmor gehauen. Und sie wurde besungen in Liedern, Motetten, Chorälen. Es gibt verschiedene Filme über Maria und es gibt sogar tausende Briefmarken mit ihrem Bildnis. An vielen Wallfahrtsorten dieser Welt wird sie besonders verehrt. Verehrt ja, aber nicht angebetet, obwohl der Reiz ihrer Verehrung auch ein Dilemma mit sich brachte. So schreibt Hedwig Meyer-Wilkes: „In Anlehnung an das Magnificat wird sie als Prototyp von Befreiung interpretiert, im polnischen Katholizismus spielt sie eine zentrale Rolle, in der ökumenischen Diskussion war/ist sie ein Stein des Anstoßes, für einige feministische Theologinnen ist sie ein Vorbild für autonomes Frau-Sein. Aber was ist ihr wahres Gesicht?“

 

Wichtig für uns ist, welche Rolle und Bedeutung wir selber Maria anerkennen. Nimmt sie in unserem religiösen Leben den wichtigsten Platz ein, oder ist sie wirklich eine Mittlerin: per Mariam ad Jesum - durch Maria auf Jesus hin?

 

So wie Grünewald Johannes den Täufer malte mit einem großen Finger, der auf Jesus weist, so könnten wir auch Maria malen mit einer großen milden Hand, die auf Jesus hinweist.

 

Bei Lukas lesen wir (Lk 1 ,26-31 + 35):,,lm sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit Dir.“ Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: „Fürchte Dich nicht, Maria, denn Du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst Du gebären; dem sollst Du den Namen Jesus geben. Der Hl. Geist wird über Dich kommen und die Kraft des Höchsten wird Dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“

 

Maria ist die Begnadete, weil der Herr mit ihr ist. Und ihr Kind wird Sohn Gottes genannt werden. Deshalb ist sie selber auch so groß und hocherhaben. Und deshalb dürfen wir auch singen: „Du bist die Nächste am himmlischen Thron, Mutter Du, bitte für uns Deinen Sohn.“

 

Unser schönes Kirchenfenster möge uns dazu Anregung und Inspiration sein.

Es gibt noch ein siebtes Fenster, das dem Kirchenbesucher meist verborgen bleibt. Dieses Fenster befindet sich hinter dem Tabernakel und zeigt hauptsächlich Flammen, mal nach links, mal nach rechts drehend, um das Flackern dieser Flammen darzustellen. Bekanntlich erinnern uns diese Flammen an das Pfingstgeschehen, als der Heilige Geist in Flammen und Feuerzungen auf die Jünger herabkam und sie mit seinem Geist, mit seiner „Be-geist-erung“ erfüllte. So soll auch in unserer Mitte der Geist wie der Wind wehen können, wo er will. Hauptsache, wir sind „Begeisterte“, Begeisterte von der Sache Jesu.

 

In der oberen Mitte des Fensters steht der Phönix, der Vogel, der sich im Feuer verjüngt, indem er aus seiner eigenen Asche wieder aufsteht. Für uns Christen also ein Symbol der Auferstehung und der ewigen Unsterblichkeit. Oberhalb ist ein Kreis mit einem Dreieck, Zeichen der Hl. Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Geist haben das ewige Leben in sich und lieben uns so sehr, dass sie auch uns mit diesem ewigen Leben beschenken möchten. Also ein Fenster mit einer herrlichen Botschaft!

 

 

 

Entwurf Maler Berwanger, Köln
Herstellungn Firma Reuter Köln

Die theologische Erläuterung der Kirchhenfenster wurde verfaßt von
P. Louis Bongers SDS
Fotos: HJG

 

zurück